
Zabargad - Ägypten
Heute möchte ich über einen netten Tauchurlaub berichten, der mich im Zeitraum vom 30.06. bis 07.07.2008 nach Zabargad in Ägypten führte. Zabargad ist der Name einer Hotelanlage ca. 2 km südlich des Dorfes Hamata, welches nun seinerseits ca. 200 km südlich von unserem Zielflughafen Marsa Alam liegt.
Meldete mich ohne große Grübelei auf eine E-Mail vom Aqua Terra, die über Restplätze bei dieser Tauchreise informierte, an. Erst später erfuhr ich von Josef, dass wir zusammen reisen würden. Gut dachte ich mir, wir werden bestimmt prima miteinander auskommen. Aus unserem Verein waren neben uns beiden noch Thomas Wassermann und Daniel Ludwig mit von der Partie.
Nach 4,5 stündigem Flug und 2 ½ stündiger Busfahrt kamen wir tatsächlich im Hotel an. Wenn der Busfahrer, wie in Ägypten üblich, nachts am Licht spart entstehen da kleine Unsicherheiten.
Die Hotelanlage liegt abseits jeglichen Rummels mitten in der Pampas, was in diesem Falle Sand und Steinwüste bedeutet. Erst mal aufs Zimmer und alles auspacken. Während der Busfahrt bereits über die Routinen der täglichen Tauchausflüge von einer Orca-Mitarbeiterin der Basis aufgeklärt, gab es diesbezüglich eigentlich keine Unklarheiten.
Die Frage, die ich mir allerdings stellte war die: wie sollte ich bei dieser Affenhitze wohl meinen Schlaf finden? Das sehr schöne, großzügige Zimmer verfügte über eine Klimaanlage, aber die hatte erst mal viel zu tun die backofenwarmen Wände runterzukühlen.
Irgendwann war es dann angenehm kühl und ich hatte das Gefühl in einem großen Kühlschrank gebettet zu sein.
Eben erst eingeschlafen schien mir, bimmelte schon der Wecker. In 2 Minuten wunderschön gemacht und ab zum Frühstück. Ähnlich mir, waren alle sehr nett anzusehen nach dieser ersten Nacht. Da ich nur eine Tasche Tauchzeugs und Klamotten gemischt dabei hatte, würde ich da aber bald nicht mehr mithalten können.
Das Frühstücksbuffet ließ für mich keine Wünsche offen, das gleich galt fürs Abendbuffet. Insbesondere möchte ich das leckere Gemüse sehr guten Geschmacks erwähnen. Auch alle anderen Speisen verdienen Lob. Man muss sich mal vorstellen wo wir da so fürstlich zu speisen pflegten und was im Gegensatz dazu wohl auf dem Speiseplan der einheimischen Bevölkerung stehen mag. Mit Sicherheit nicht diese Abwechselung.
Ja und jetzt zu der Fischeguckerei. Es war herrlich! Zwei Tage vom Boot, ein Tag am Hausriff und nochmals zwei Tage vom Boot aus zu tauchen; das war gerade die richtige Dosis für mich. Josef musste noch des Nachts die Nase unter Wasser halten. Mir wäre das zuviel gewesen und das Hausriff, so schön es sein mag, vor allem am Vormittag bei genügend Lichteinfall, ist von der Landschaft (gerade Riffkante bis auf zwölf Meter und dann Sand mit einzelnen Korallenblöcken) doch relativ überschaubar. Des Nachts allerdings lassen sich hier schöne kleine Tiere beobachten und fotografieren, wie Josef das tat.
Allmorgendlich ging es gegen 8:30 Uhr mit einem bestuhlten Kleinlaster an den 10 Minuten nördlich der Hotelanlage gelegenen Hafen. Muss noch erwähnen, dass ich 2002 schon mal mit der gleichen Zielsetzung hier war; aber mit viel weniger Taucherfahrung. Damals waren gerade mal zwei, drei Boote vor Anker gelegen. Das hat sich jetzt etwas geändert. Aber es ging immer noch sehr ruhig zu.
Wir waren eine bunter Haufen von Tauchenden, manche mehr, manche weniger erfahren und alle recht umgänglich. Es bot sich an, dass Josef und ich ein Tauchteam bildeten. Josef hatte vor 2 Jahren hier bei Daniel sein drittes Sternchen erworben und freute sich nun aufs entspannte Tauchen ohne Prüfungsstress. Ich freute mich auf klares Wasser und viele bunte Fische und am meisten auf den „Specialtrip“ zu einem weiter draußen gelegenen großen Riff mit Lagune (Shaab Satayiha). Es ging an diesem Tag etwas früher los mit dem Boot. Frühstück an Bord und nach Erreichen des Zieles ging es mit ABC-Ausrüstung zu dutzenden, wunderschönen, gewandten Delphinen ins Wasser. Das war das Erlebnis der besonderen Art, diese schönen und intelligenten Tiere fast Auge in Auge in der Nähe zu haben. Man sollte diese Tiere nicht streicheln, außer sie sagen einem selbst, dass sie getätschelt werden wollen. Tatsächlich hörte man wie sich die Tiere unter Wasser mit pfeifenden Lauten, die sehr mannigfaltig klangen, verständigten. Kaum mehr zu schlagen diese Erfahrung.
Viele von den Tauchplätzen die wir anfuhren waren Highlights. Es war immer so, dass unser Boot das einzige am Riff war. Sah der Captain am Riff weitere Boote wurde kurzfristig ein anderes Riff angelaufen. So waren wir z.B. an einem Riff mit einem sog. Drop off, also einer steilen Abbruchkante, die beim darüber Hinwegschwimmen einen Blick ins reine, klare Blau des Wassers ohne Grundsicht freigab. Andere Tauchplätze boten eine atemberaubende Vielfalt an UW-Landschaft.
Riffblöcke durchzogen von Kanälen und einigen Grotten, die beim Durchtauchen stets neue und immer anders anmutende Ausblicke freigaben (immer vorsichtig und gut tariert vorausgesetzt und ja nichts zerstören muss selbstverständlich sein). Ein Traum! „Shaab Malahi“ – zu Deutsch Spielplatz - hieß eines dieser Riffe, das andere gab sich als „Shaab Claudia“ aus.
Fischbegegnungen verliefen immer glimpflich, so dass wir nach 70 bis 85 minütigen Tauchgängen immer wohlbehalten an Bord bzw. bei einem sehr langen 96 Minuten TG an den Steg zurück gelangten. Als Begegnungen der besonderen Art möchte ich die zwei Riesenmuränen erwähnen, die ihren ca. 25 m langen (das ist nicht übertrieben!) Schlangenleib elegant durchs Wasser bewegten, sowie den majestätischen Napoleonfisch, der sich unter dem Boot aufhielt und sich ziemlich lange mit uns abgegeben hat.
Als Napoleon jedoch unter mir war und ich sein großes Maul mit zwei spitzen Zähnen sehen konnte, hatte ich Angst er könne mich in den Schritt beißen! Andere Grüppchen berichteten von Begegnungen mit Adlerrochen (nur 2,5m) oder kleineren Weißspitzenriffhaien.
Jede Menge bunter Fische gab es und auch gelegentlich größere Schwärme von Fischen, in einem unheimlich gut bewachsenen Wrack waren hunderte von Glasfischen versammelt. Auch die roten Soldatenfische in den Grotten, mit ihren großen Glotzaugen, waren interessant. Und immer wieder faszinierende Unterwasserlandschaften, teils mit Sichtweiten von 40m möchte ich behaupten. Die Sichtweiten differierten von diesem Extrem bis auf 5- 10 m. Waren im Schnitt sicher ca. 25 m und für heimische Verhältnisse überragend.
Bei den Tauchgängen von Josef und mir ging es sehr ruhig zu, wir strebten weder Geschwindigkeitsrekorde noch größere Tiefen als ca. 3- 15 m an; ich mit Luft, Josef mit 32% Sauerstoffgemisch. Es ist so schööön oben herumzuschweben und auf die Landschaft herabzublicken, vollkommen entspannt, nur Fischegucken, ohne dass sich das Denken einmischt und beständig schwatzt.
Josef hatte manchmal seine Kamera dabei gehabt und es war prima, das ein oder andere dokumentiert zu wissen. Letztendlich gab es einige sehr gute Aufnahmen vom Leben im Riff.
Von meiner Ausrüstung war ich um meinen langen 3mm Anzug froh. Ausgerüstet mit einer 12 Liter Stahlflasche konnte ich das Blei weglassen; ungewohnt mit so wenig Gerödel zu tauchen, eine wahre Wohltat!
An Bord gab es immer leckeres Mittagessen, das die meisten von uns in Anspruch nahmen Die Besatzung war sehr nett und hilfsbereit und offen für diejenigen, die eine Annährung der Kulturen suchten. Es gibt einfach nur Menschen und die sind in Ägypten sehr nett, so zumindest meine, abseits der Touristenzentren erworbene, Erfahrung.
Eine besondere Bequemlichkeit muss noch berichtet werden: Am Hausriff gab es einen sehr hilfreichen Esel, der das Tauchzeug von der Basis zum Steg transportierte. Das tat er sehr gut, deshalb ein Lob auf den lieben Esel und überhaupt auf die sehr gute Organisation der Tauchbasis! Auch wenn die Freundlichkeit der Basisleitung nicht ganz nach meinem Geschmack war, dafür war unser ägyptischer Tauchguide, der sehr gut deutsch sprach, um so netter und das auf eine ungekünstelte, herzliche Art. Daneben bot er vor jedem Tauchgang ein sehr gutes Briefing mit allem Wissenswerten.
Es hat Spaß gemacht ein paar ganz persönliche Eindrücke hier wiederzugeben und vielleicht den einen oder anderen Leser neugierig gemacht zu haben. Herzliche Grüße an Josef meinen unerschrockenen, guten Tauchpartner (die Muräne hmm, das war vielleicht ein Brocken!) und an euch alle ein: „Allzeit gut Luft“!
Robert Körber
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