2010 - Vereinsfahrt Traunfall

 

Das Waldtauchbrevet


oder


Flußtauchen in der Traun


Desselbrunn, im September 2010 - Der Verein deutsche Waldtaucher (VDWT) hat sich zum Ziel gesetzt, die schönen Freizeitbeschäftigungen Tauchen und Waldspaziergänge in geradezu einziger Art und Weise miteinander zu verbinden.
Zur Abnahme des neu geschaffenen WT* - Brevets (Waldtaucher Level 1) organisierte der Taucherpoint Königsbrunn eine Wochenendfahrt Ende September, an der auch unser Korrespondent Stephan Klopfer, Mitglied des TSC Neptun, teilnahm.
Nach den noch nicht vom CMAS anerkannten Regularien besteht das WT*-Brevet aus folgenden Prüfungsteilen:

 

  1. Wandern mit Neopren-Anzug und ABC-Ausrüstung (diese darf in der Hand getragen werden) über 400m, teils abschüssiger Wegstrecke, wobei auf mindestens der Hälfte des Weges der Boden mit starkem Wurzelwerk durchsetzt sein soll.
  2. Abstieg in oben genannter Ausrüstung zu einem Fluss über Felsen und Anlegen der Ausrüstung in leichter Strömung.
  3. Wanderung ca. 100m von einem Fluß auf einem Waldpfad, der an mindestens drei Stellen weniger als 20 cm breit ist.
  4. Wanderung in obiger Ausrüstung 2x 400m an einem waldigen Flussufer, wobei eine Steigung / Gefälle von 50% enthalten sein muß.
  5. Wanderung (einfache Strecke) auf obigem Weg mit voller Tauchausrüstung incl. Blei und Flasche, wobei die Flossen in der Hand getragen werden dürfen
  6. Anlegen der kompletten Tauchausrüstung mitten im Wald und Abstieg in Ausrüstung zu einem Fluß (mind. 100m), Durchdringen des Dickichts und Erreichen des Wassers über eine mindestens 60cm hohe Uferkante

Ergänzende Hinweise:

  • Eine theoretische Prüfung ist für das WT*-Brevet nicht vorgesehen
  • Auf Spaziergänger und Pilzesucher ist jederzeit Rücksicht zu nehmen
  • Zwischen den einzelnen Prüfungsteilen darf der nahe Fluss zu Erholungszwecken (Tauchen, Scuben) genutzt werden
  • Das Brevet berechtigt den Inhaber, sich in jedem beliebigen mitteleuropäischen Wald in Schnorchel- oder Tauchausrüstung zu bewegen, ohne in psychiatrische Behandlung eingewiesen zu werden. Im Bedarfsfall den anrückenden Rettungskräften (=die Männer in den weißen Turnschuhen) das WT*-Brevet zeigen.

 

Die Tauchbasis am Traunfall in Österreich, knapp 80 km hinter Salzburg, bietet für die Erlangung des obigen Brevets ideale Voraussetzungen; im nahegelegenen Gasthof stehen zudem ausreichend bequeme Zimmer zur Verfügung, eine gute und reichhaltige Küche sorgt dafür, daß der körpereigene Bioprenwert die kritische Markezur Erreichung der Schwimmfähigkeit nicht unterschreitet.

Lediglich am Samstag hatten die 13 Prüflinge unserer Gruppe mit dem aus unerklärlichen Gründen (Regenfälle ? Staudammleerung ?) über Nacht aufgetretenen Hochwasser der Traun zu kämpfen.

Daher konnte die Scuben-Tour nicht wie geplant direkt am Traunfall beginnen, dafür hatten wir eine um so längere Wanderung bis zu Einstieg. Auch war das Tempo im Fluss deutlich höher als sonst, aber unsere drei erfahrenen Begleiter von der Basis brachten uns sicher durch die Strecke und konnten uns so manches zeigen, was der Fluss zu bieten hatte. Beeindruckend hier schon mal die verschiedenen (versunkenen) Einbauten zur Flussregulierung aus den vergangenen Jahrhinderten, mancher Fisch am Ufer und ein Exemplar des amerikanischen Flusskrebses. (WT*-Brevet Teil 1-3)

Unmitelbar anschließend bekamen wir dann vom Basisleiter Franz, einem Österreicher Urgestein, eine Einweisung, in der die (mehr als zwei Zentner Fleisch gewordene) Begeisterung für den Fluß fast mit Händen zu greifen war: „Geh‘ höaaast, woooast scho‘, wonn’d da hünt’n um’an Fois’n umidaaaauchst, des ist sowoas von gooooi…“ (=“die Umrundung des Felsens ist ein besonderes Erlebnis“) und er ließ es sich nicht nehmen, uns alle Einstiege (alle, auch die unbrauchbaren) zu zeigen: „dös ist wida a Einstieg, do brauchts aber o net einigeh‘, wenn‘s eich net in Moooatsch einihau’n soi“ (=dieser Einstieg ist wegen Rutschgefahr nicht so günstig). Hier konnten wir (seit mittlerweile 3 Stunden in den Anzügen steckend) Teil 4 des Brevets absolvieren.

Frohen Mutes gingen wir dann zum Antesten der (Gegen-)Strömung im Seitenarm der Traun, um nach mehreren Minuten heftigen Paddelns in 2m Tiefe mit nicht unerheblichem Luftverbrauch festzustellen, daß wir kaum wirklich vorwärts gekommen waren. Durch das Hochwasser war die Strömung doch stärker als erwartet.

Teilweise an den Felsen entlang hangelnd erreichten wir aber dann doch die Highlights, das versunkene Haus, die Unterwasser-Quelle und auf dem Rückweg sogar die Höhle in der Insel mit Loch in der Decke.

Wenn schon, denn schon, sagten wir uns und stapften die 400 m zum Einstieg flußaufwärts (Brevet Teil 5) und wurden mit einem schönen Tauchgang mit der Strömung (!) entlang des sehenswerten, stark zerklüfteten Flußufers belohnt.

Damit war das Programm des ersten Tages absolviert und wir widmeten (nach 4 Stunden in Neopren) uns der Körperflege (Bier, Kuchen, Duschen) und genossen dann am Abend den genialen hausgemachten Schweinebraten im „Reinderl“, den wir trotz heftiger Anstrengung aber nicht bezwingen konnten.

Am nächsten Tag (es hatte wieder „Normal-Wasser“) stand dann der „long trail“ auf dem Programm, hier wurden wir mit dem Kleinbus mitsamt dem Equipment ein gutes Stück flußaufwärts transportiert und mitten im Wald abgesetzt. Während Franz entschwand, um nach einigen Minuten mit drei prächtigen Pilzen und breitem Grinsen wieder zu erscheinen, legten wir die Tauchausrüstung an und stapften voll aufgerötelt zum Fluss runter (Brevet Teil 6). Diesen Abschluß der Brevetierung krönten wir dann mit einem gut einstündigen Flusstauchgang in Tiefen zwischen 2 und 7 Metern, ließen uns entlang mächtiger versunkener Befestigungsanlagen treiben, vorbei an großen Hechten und mächtigen Felsen, bis uns die weiße Leine wieder den Weg zurück in bekannte Gewässer und zum Ausstieg führte. Abgesehen von der doch recht „bannigen“ Temperatur (14 Grad), der wir wegen der geringen Bewegung zunehmend wenig entgegenzusetzen hatten, war auch dies ein wunderbarer Tauchgang, der so ganz anders war als ein Tauchgang im See.

Nach Versorgung der Ausrüstung und Füllen der Flaschen sowie der obligaten Stärkung im Gasthof traten die meisten gleich den Heimweg an.
Fazit: eine feine Sache, auch wenn nicht alle Umstände 100%ig passen war es doch ein schönes Erlebnis, und wir werden wiederkommen…

 

WTB

Stephan

Bilder: Stephan Klopfer, Barbara Graßl und Manfred Walzebug

 

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